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2. Aufbau der Mundharmonika

 

Bei der Vielzahl von Mundharmonika-Bauweisen und Modellen ist es keine einfache Aufgabe Übersichtlichkeit zu schaffen. Allen Modellen gemeinsam ist jedoch, dass sie aus einem Kanzellenkörper und Stimmplatten bestehen. Die äußere Hülle und gleizeitige Abdeckung der Stimmplatten stellen die Deckelplatten dar (Ausnahme: HOHNER CX12 - sie verschwindet in einem Gehäuse, und wird dann von hinten mit einer Art Klammer verschlossen).
Chromatische Mundharmonikas verfügen außerdem noch über einen Schieber, mit dem zwischen 2 (um einen Halbton versetzten) Tonarten umgeschaltet werden kann.
Je nach Modell unterscheiden sich Bauweise und Material der einzelnen Bauteile: 

2.1. Kanzellenkörper

 

Es gibt

  • einkanalige oder 

  • doppelkanalige (siehe Punkt 3. "Die unterschiedlichen Konstruktionen")

  • Zweiseitig spielbare Kanzellenkörper (bei der Wender-Mundharmonika)

  • Holz-, Kunststoff- oder Metallkanzellenkörper. 
    Jedes der Kanzellenkörper-Materialien hat seine eigenen klanglichen Eigenschaften. 

  • Kunststoff hat einen warmen gleichmäßigen Klang. Es quillt bei Feuchtigkeit nicht
    auf und ist daher angenehmer an den Lippen als Holz.

  • Holz dagegen gibt ein volleres Klangbild.

  • Metall oder metallisierte Plastikoberflächen ergeben einen hellen, klaren Sound.

2.2. Stimmplatten

 

Die Stimmplatten tragen die Stimmzungen und werden auf dem Kanzellenkörper verschraubt (früher genagelt). Sie bestehen traditionell aus Messing, bei manchen Modellen sind sie aus Neusilber, vernickelt oder verchromt. Die Stärke der Stimmplatten beeinflusst den Klang und die Lautstärke der Mundharmonika.

2.3. Stimmzungen und Ventile​

Die Stimmzungen bestehen traditionell aus Messing-Legierungen und sind auf der Stimmplatte vernietet oder durch Punktschweißverfahren aufgebracht (Suzuki). Die Firma Seydel stellt seit einigen Jahren sehr erfolgreich Stimmzungen aus Edelstahl her. Sie sind in den Modellen Blues Session Steel, 1847, Sailor Steel und in einigen Chromatics verbaut. 

Bei Chromatics werden die Stimmzungen mit Ventilen versehen, um den Luftverlust, der sich aus der doppelten Anzahl von Schlitzen ergibt, zu reduzieren. Es gibt sehr wenige unventilierte Chromatics, es werden aber, wenn sinnvoll, auch andere Modelle ventiliert, z.B. Blues Harps in Low-Tunings, die Seydel Concerto Oktav oder die Suzuki MR-350V.

2.4. Deckelplatten

 

Sie bilden die äußere Hülle der Mundharmonika und bestehen traditionell aus Stahl- oder anderem Blech, das vernickelt, (schwarz)-verchromt, vergoldet, eloxiert oder beschichtet sein kann. Viele Hersteller, vor allem HOHNER und SEYDEL, stellen zur Vermeidung von allergischen Reaktionen Deckelplatten aus Edelstahl her. 
Die Deckelform hat Einfluss auf die Klangentfaltung der Mundharmonika. So sind manche Deckel z.B. seitlich geöffnet, haben gerade oder wellenförmige Profile. Hier ist ausprobieren und vergleichen angesagt. HOHNER, SEYDEL und SUZUKI bieten Ersatzdeckelplatten für alle ihre Harps an - gilt für Richter-Harmonikas (Blues Harps).

2.5. Das Herzstück der Mundharmonika: Die Kernoktave

 

Betrachten wir uns einmal die Kanäle 4 bis 7 einer 10-kanaligen Richtermundharmonika:

 rot:         Blastöne   

schwarz: Ziehtöne

Diese Tonfolge lässt sich auf (fast) allen Mundharmonikas, ob Wiener Modell, Chromatische Mundharmonika, Knittlinger oder Blues Harp mindestens einmal wiederfinden. Es handelt sich dabei um eine vollständige diatonische Oktave. Allerdings stellt sich die Frage, warum die gleichmäßige Abfolge von Blasen und Ziehen im 7. Kanal unterbrochen wird. Die Erklärung ist in der Harmonisierung zu suchen: Es ergibt sich auf Blasen ein Dur-Akkord - c e g c. Würde man h und c vertauschen, ergäbe sich der Akkord C maj 7. Im Jazz und in der lateinamerikanischen Musik ein normaler, sehr gebräuchlicher Akkord. Aber zu der Zeit, aus der alle unseren gebräuchlichen Mundharmonikamodelle stammen, ein harmonisches "Unding".Sieht man sich nun eine Mundharmonika mit quergeteilten Kanälen näher an, kann man feststellen, dass die Anordnung anders erscheint,  ...

... bei näherer Betrachtung zeigt sich jedoch, dass sich zwar Blas- und Ziehtöne nicht wie bei der Richter-Harp in einem Kanal gegenüber , sondern im Wechsel nebeneinander liegen, aber ansonsten ist unsere Kernoktave noch genauso vollständig vorhanden.
Das Wissen um den Aufbau der Kernoktave ist sehr wichtig zur Orientierung, findet man sie doch bei allen Mundharmonikamodellen(vereinzelte Sonderstimmungen ausgenommen) wieder. 

Ergänzungen folgen!