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4. Techniken des Mundharmonikaspiels

 

4.1. Melodiespiel 

 

Es gibt zwei Möglichkeiten des Melodie- oder Einzeltonspiels - den Pfeifmund-Ansatz (das Pucking) und das Tongue Blocking.

 
4.1.1. "Pfeifmund" - Ansatz (Lipping, Pucking) 

 

Bei dieser Technik wird ein Einzelton mit gespitztem Mund erzeugt, ähnlich der Lippenstellung, die man beim Pfeifen benutzt. Es wird immer nur ein Tonkanal angespielt. Zu beachten ist, dass man die Töne nicht abquetscht - dies gilt besonders für die Ziehtöne. Das "Saugen" soll unbedingt vermieden werden, da sonst die Luft nicht frei fließen kann, und die Töne nicht schön klingen können. Am besten ist, wenn man lernt, beim Spiel das Zwerchfell einzusetzen. Versuchen Sie "durch die Mundharmonika zu atmen".

 
4.1.2. Zungen - Ansatz (Tongue-Blocking) 

 

Bei dieser Technik werden 3 bis 4 Kanäle mit den Lippen umschlossen. Dabei deckt die Zunge wiederum alle Kanäle - bis auf den ganz rechts liegenden - ab. Daher auch der Name Tongue-Blocking. Diese Technik ist nicht ganz einfach, sie bildet aber die Grundlage für die Kombination von Melodiespiel und Akkord-Begleitung, für Oktavspiel (Splitting)

 
4.2. Akkordbegleitung 

 

Bei der Akkordbegleitung werden mehrere Kanäle mit den Lippen umschlossen und angespielt. Um einen exakten Ton zu artikulieren, tippt die Zunge auf den Kanzellenkörper. Sollen weiche, ineinanderfließende Akkorde gespielt werden, wird die Zunge gegen den oberen Gaumen getippt oder so gut wie garnicht bewegt.

 
4.3. Kombination von Zungenblocken (Tongue Blocking) und Akkordbegleitung

 

Die beiden letztgenannten Techniken lassen sich, wie schon erwähnt, miteinander kombinieren. Die Ausgangsposition ist die, wie ich sie in Punkt 4.1.2. (Tongue-Blocking) beschrieben habe, also 3 Kanäle bleiben beim erklingen der Melodie von der Zunge (meist) abgedeckt. Und da wo es sich realisieren läßt, wird die Zunge kurz zurückgezogen und wieder aufgetippt. Für diese Technik ist etwas Übung und Geduld nötig. Vor allem aber muss man Ausprobieren, wie sie sich am besten anwenden läßt.

 
4.4. Cross-Harp-Spiel und Bending (Zieh- und Blas-Bending) 

 

In den 1930er Jahren führte "Sonny Boy Wiliamson I." die "Crossed Harmonica" - Technik ein. Er spielte eine Tonart, die um eine Quarte tiefer lag, als die, in der das Instrument gestimmt war. Diese Spielweise benutzen heute (zum Teil unbewusst) 80 Prozent aller Blues-Harmonica -Spieler. Erst dadurch klingts nach Blues!


Was ist dabei anders?
Spielen wir crossed auf einer C-Dur-Harp, dann ändert sich vor allem unser Grundton - der heißt jetzt G.
Mit ihm ändert sich auch der harmonische Bezug - wir spielen als Tonika G 7 bzw. G 7/9 und haben außerdem noch die Subdominante C-Dur zur Verfügung. Mit den Bendings Bb (3.Kanal) und Db (4.Kanal) stehen uns zwei blue notes zur Verfügung. Siehe dazu auch die Übersicht über die Positionen.

Um Cross-Harp spielen zu können, ist es notwendig die Technik des Bending (Zieh-/Blasbending) zu erlernen, denn der echte "Blues-Sound" ist nur mithilfe dieser Technik machbar. Welche Bluesharp man spielt ist dabei unerheblich.

Wichtig: Diese Techniken funktionieren nur auf nichtgeteiltkanaligen Harps! Also nur auf Mundharmonikas, bei denen sich Blas- und Ziehstimmzunge in einem Kanal gegenüberliegen, und sich somit gegenseitig beeinflussen können. Das sind vorwiegend die Richterharps.

Die physikalische genaue Erklärung für dieses "Phänomen" hat Steve Baker in seinem "Harp Handbook" ausführlich beschrieben. (Übrigens ein sehr zu empfehlendes Werk - sozusagen die Bibel der Mundharmonikaspieler! Um ein Bending zu spielen verändert man die Form bzw. Stellung der Zunge und des Rachenraumes. Die allerersten Übungen des Ziehbendings sind mit dem "Aussaugen der allerletzten Neige aus einem Trinkglas"  mittels Strohhalm" zu vergleichen. Viele Mundharmonikaspieler spielen Bendings ohne es zu wissen. Dies sind vorwiegend Ziehbendings in den unteren Kanälen, die relativ einfach zu erzeugen sind. Interessant zu wissen ist übrigens auch, dass das Intervall zwischen Blas- und Ziehton die Anzahl der erzeugbaren Bendings bestimmt: z.B. im 3. Kanal einer C-Dur Harp haben wir G  auf Blasen und H auf Ziehen. Dazwischen liegen G# - A - Bb. Und genau diese drei Töne lassen sich als Bendings spielen.

 

Beachte dass B dem deutschen H entspricht !

Die rot gekennzeichneten Töne lassen sich nur um einen Viertelton benden - also eher nur ein Effekt!

4.5. Overblow / Overdraw (Überblasen / Überziehen)

 

Die Spieltechnik der Overblows/Overdraws ist verglichen mit dem Bending relativ neu. Erst 1969 entdeckte Howard Levy, ein Harpspieler aus Chicago, dass sich die jeweils tieferen Töne innerhalb einer Kanzelle durch Überblasen bzw. Überziehen erhöhen lassen.

Diese Technik ist der des Bendings ähnlich, jedoch um einiges schwieriger zu realisieren. Das Interessanteste daran ist, dass es sich bei diesen Tönen genau um die wenigen noch zur Chromatik fehlenden Töne handelt. Somit könnte, zumindest theoretisch, die Richter-Mundharmonika chromatisch gespielt werden. 
Im Bild unten sind diese Töne in der obersten und untersten Zeile eingetragen. Vergleiche mit der Tabelle der Bendings.


Ausführliche Tips zu den technischen Zusammenhängen und zur Erzeugung dieser Töne gibt Steve Baker in seinem "Harp Handbook" - sehr empfehlenswerte Lektüre für alle Theoretischen Zusammenhänge!!

 
4.6. Effekt-Techniken

 

Während die zuvor genannten Techniken weniger als Effekt, sondern vorwiegend zur Erweiterung des "Tonmaterials" dienen, handelt es sich bei den folgenden Techniken um Effekte zur Formung bzw. Verschönerung des Tones.
Harp-Spieler haben (vor allem beim Spielen vieler Bending-Töne) dasselbe "Problem" wie z.B. Streicher. Töne, deren Tonhöhe vom Instrument nicht eindeutig vorgegeben ist, klingen ohne Vibrato nicht korrekt - gespielte Scalen hören sich "schief" an. Wenn z.B. Kinder das Geigespielen lernen klingt das immer etwas "katzenjammerig", weil sie noch kein Vibrato spielen können.

 
4.6.1. Vibrato 

 

Beim Vibrato wird der eigentliche Ton in einem bestimmten Tempo nach oben bzw. unten verändert. Streicher "schwingen" mit dem gedrückten Finger auf der Seite hin und her. Dadurch, dass der Ton keine ganz exakte Tonhöhe hat, klingt die Melodie durch das Vibrato trotzdem richtig. Das Spiel wird außerdem auch viel lebendiger.
Mundharmonikaspieler benutzen folgende Techniken:

 
4.6.1.1. Handvibrato 

 

Das Handvibrato erzielt man durch leichtes, rhythmisches "Kippeln" der Harp mit der Hand, die die Harp festhält. Dabei bleiben die Lippen am Instrument, so dass der Ton nicht abreißt. Es eignet sich sehr gut für langsame und leisere Passagen. Dieses Vibrato sollte man jedoch nicht mit dem Tremolo verwechseln!

 
4.6.1.2. Kehlkopfvibrato 

 

Das Kehlkopfvibrato funktioniert am besten beim Ziehen der Töne. Während des Einatmens bildet man eine rhythmische Reihenfolge von weichen, stimmlosen "H"s. Bis das gleichmäßig und im richtigen Rhythmus klappt, muss man dies ein Weilchen üben. Aber es lohnt sich wirklich diesen Effekt einsetzen zu können.

 
4.6.1.3. Zwerchfellvibrato 

 

Noch etwas schwerer zu erlernen ist das Zwerchfellvibrato. Die Sänger benutzen es, besonders in der Klassik. Es wird durch leichtes Anspannen und Lockern des Zwerchfells erreicht.

 
4.6.2. Tremolo (Zittern) 

 

Beim Tremolo handelt es sich nicht um eine Veränderung der Tonhöhe, sondern genaugenommen um die schnelle Wiederholung desselben Tones.
Tremolo-Effekte werden in der Musik auf unterschiedliche Art und Weise erzeugt: 

  • auf- und abschwellende Lautstärke eines Tones

  • staccatoartige, gleichmäßige Wiederholung (Ab-und Aufstrich bei Streichern)

  • Wirbel bei Schlaginstrumenten

  • schnell aufeinanderfolgende Anschläge mit dem Plektrum (Mandoline, Gitarre)

Beim Harpspiel benutzt man die "freie" Hand, also die Hand, die nicht die Harp festhält, um den mit ihr gebildeten Resonanzraum zu öffnen und zu schließen.

Ergänzungen folgen!